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Der FC Lampedusa Smederevo

Der zweite Teil unseres Reiseberichtes zu einigen unserer FC Lampedusa St. Pauli Spielern, die die Hansestadt Hamburg abgeschoben hat, in den Kosovo und nach Serbien.

Beim FC Lampedusa St. Pauli bleiben alle Spieler ein Teil des Teams, auch wenn sie gezwungen werden, Hamburg zu verlassen. Einige von ihnen müssen unter Zwang den Fernbus besteigen. Leider wurde auch schon der neue Abschiebeknast am Hamburger Flughafen von einem unserer FCLSP Spieler von innen gesehen und dann ab, mit “Passersatzpapier” der Hamburger Ausländerbehörde, in den Flieger zurück. Zurück – wohin denn eigentlich “zurück”?

Nach knapp einer Woche im Kosovo und zum Teil sehr widersprüchlichen Auskünften über die Möglichkeiten einer direkten Einreise von zwei Deutschen und einem Kosovaren nach Serbien, kaufen wir drei Bustickets von Pristina nach Belgrad, für den nächsten Morgen. Es folgen beruhigende Gespräche mit der Schwester des FCLSP Spielers, die sich Sorgen um die Sicherheit ihres „kleinen“ Bruders macht. Mag der Krieg auch nahezu 18 Jahre her sein, die Wunden sind groß und die Traumata sitzen tief. Mit den Folgen der Kriegserlebnisse hat so gut wie jede und jeder zu kämpfen, und die Ängste sind einfach da. Der Konflikt schwelt unverholen weiter, die Propaganda und das gegenseitige Misstrauen sind stets präsent. Eigentlich ist es nahezu undenkbar sich zu besuchen, aber wir sind doch ein Team, wir sind doch alle FC Lampedusa St. Pauli Fußballspieler und Coaches. Bei uns sind doch alle Brüder, egal wer woher gekommen ist, welcher Nationalität, Ethnie oder Religionsgemeinschaft man zugeordnet wird und ob man in Hamburg bleiben kann oder abgeschoben wird.

So steigen wir an einem Dienstagmorgen im März, mit unserem Koffer voller Fußballtrikots, Stutzen und Bällen, am Busbahnhof Pristina in den Bus nach Belgrad. Knapp sieben Stunden Fahrt liegen vor uns, der Bus ist fast leer und der Busfahrer sehr unfreundlich zu uns. Dann naht die Grenze, wir geben dem zweiten Busfahrer unsere Ausweise und sind ein bisschen nervös. Erstmal ausreisen, zwei kosovarische Grenzbeamte gehen langsam durch den Bus und bleiben bei uns stehen. Sie gucken uns drei an und befragen den FC Lampedusa St. Paulianer mit dem kosovarischen Personalausweis. Wo er genau hin wolle, was er mit uns zu tun habe, warum ein Koffer neben ihm steht und was da drinnen sei. Er gibt wahrheitsgemäß Auskunft, dass wir drei zusammen nach Belgrad fahren, Fußball spielen und all unsere Sachen gemeinsam im großen Handgepäck verstaut sind. Der Koffer muss durchsucht werden, verfügen die Uniformierten und schnell springt der andere FCLSP Spieler auf, der mittlerweilen einen deutschen Pass hat und besteht darauf mitzugehen, da der Koffer ihm gehöre. E drückt den Befragten sanft in den Sitz zurück. Ja, ja Englisch könne er auch und so verlassen die Grenzer mit Koffer und „eingedeutschtem“ Lampedusa Spieler den Bus. Nach der Rückkehr erzählt er von der Durchsuchung und Befragung. Sie haben tatsächlich geglaubt, wir würden versuchen uns nach Ungarn durchzuschlagen und seien auf dem Weg, unseren kosovarischen Freund wieder nach Deutschland zu „schleusen“. Etwas auffällig und umständlich so, oder? Zumal, wer bitte will denn in Ungarn interniert werden, bzw als “Schlepper“ im Knast landen. Ein Irrsinn!
Ob die Fußballschuhe im Koffer sie beruhigt haben, wissen wir nicht.

Die Einreise nach Serbien ist dann doch total unkompliziert und so erreichen wir Belgrad verspätet aber problemlos. Wir kaufen für den nächsten Morgen Bustickets nach Smederevo, ein Stunde süd-östlich von Belgrad an der Donau gelegen und nehmen Quartier bei einem Freund, einer Freundin, na ihr wisst schon, um drei Ecken halt. Abends gehen wir alle zusammen eine Pizza essen, wobei Serbien Deutschland gerade im Wasserball besiegt, direkt in der Halle neben der Pizzeria, während der zukünftige Staatspräsident Serbiens bei Angela Merkel in Berlin, die EU Beitrittsverhandlungs-Chancen vorfühlt. Wir gehen lieber schlafen.

Am nächsten Morgen fahren wir nach Smederevo, wo seit Oktober 2016 ein weiterer FC Lampedusa St. Pauli Spieler, seine drei kleineren Geschwister und ihre Mutter, nach zwei Jahren Aufenthalt in Hamburg wohnen müssen. Wir wissen schon von seinen Videos und Fotos, sowie aus unserem stetigen Austausch in den sozialen Medien, dass das Leben für Angehörige der Minderheit der Roma hier, wie überall, mehr als schwierig ist. Sie wurden gezwungen „zurückzukehren“ in Armut, Hoffnungs-, Bildungs- und Perspektivlosigkeit. Der gerade einmal 18 Jährige FCLSP Spieler versuchte zunächst erfolglos, eine Schule für die zwei jüngeren Brüder und die kleine Schwester zu finden, die sich schon in Hamburg große Sorgen gemacht haben, besonders die knapp 8 Jährige Schwester, nicht mehr in die Schule gehen zu dürfen, wenn sie „freiwillig ausreisen“. “Freiwillig”, um zu verhindern, dass sie nachts von der Polizei abholt werden. Der große Bruder versprach eine Schule für sie zu finden und musste sich Sachen anhören, wie :“ Es gibt keine Schule für Leute wie euch!“. Einmal sagt er zu uns, als die Familie noch im Container Lager in Hamburg lebte: “Wisst ihr, beim FC Lampedusa St. Pauli bin ich ein Fußballspieler, hier in der Stadt bin ich wenigstens ein Flüchtling – dort bin ich nur ein Zigeuner“
Wir versuchen uns vorzustellen wie es wohl sein wird in der Roma-Siedlung in Smederevo.

Alle Kinder der Familie wollen uns am Busbahnhof abholen und so steht ein kleiner Pulk Kinder und Jugendlicher mit schwarzen Haaren und trendy Klamotten am Busbahnhof. Was für ein Wiedersehen nach knapp fünf Monaten. Es wird sich erst mal ordentlich durchgeknuddelt.
Schwesterchen hat noch eine kleine Freundin mitgebracht und der neue beste Freund unseres FC Lampedusa St. Pauli Bruders, den wir schon von Fotos kennen, ist auch dabei. Wir spüren sofort die Blicke der Umstehenden, sie sind uns nicht wirklich freundlich gesonnen.

Die beiden jungerwachsenen „Einheimischen“ versuchen einen der ca acht Taxifahrer zu überreden, den aus Deutschland gekommenen Besucher, der stark humpelt zu transportieren. Keine Chance. Der Abwehrspieler des FC Lampedusa St. Pauli auf Fußball-Wiedersehens-Reise hat sich im Kosovo gleich beim ersten Spiel das Aussenband am Knöchel gerissen. Laufen ist keine Option, nein nein viel zu weit, bekundet die Teenyschar einhellig;“ Wisst ihr, wir wohnen ein bisschen woanders“ sagt die kleine Schwester, ihre Freundin nickt, obwohl sie eigentlich kein Deutsch kann. Alle Taxifahrer werden nacheinander versucht zu überreden. Wir drei nicht Serbisch Sprechenden sehen die Blicke, bemerken das Zurückweichen und verstehen sehr genau worum es geht. Das auch sehr schwarzhaarige FCLSP Hinkebein nimmt die Sache nun selbst in die Hand und ruft den letzten beiden Taxifahrern mit großen Gesten zu:“ Ich Deutschland, Fuß kaputt, Fußball, Fußball, ich Deutschland!“ Ok, einer lässt sich erweichen, stellt aber rüde und deutlich klar, wen er nicht in seinem Auto haben will. So dürfen „Deutschland, Fuß kaputt“ sein Gastgeber, der ja die Adresse kennt und ein kleiner Bruder das Auto besteigen, der bester Freund nicht. Wir Anderen laufen und er mit uns. Es scheint sie nicht mal wirklich zu ärgern was gerade passiert ist. Das ist hier halt so.

Wir spazieren in der Sonne an der alten Festung vorbei, am schönen Flussufer entlang, über die Hauptstrasse rüber, Hügelchen hoch, hinein in eine kleine Siedlung, die Strasse wird enger und die Häuser stehen dicht an dicht. Am Ende der kleinen Strasse auf dem Wendekreis steht ein Bau-Container, in den man seinen Müll bringen kann. Vor uns liegt ein kleines, altes Fußballstadion. Wow, die ganze Siedlung ist nahezu um den Fußballplatz herum gebaut. Das ist wirklich eine richtige FC Lampedusa St. Pauli Fußball Reise. Früher, erzählen die Kids um uns herum im breitesten Hamburgerisch, früher gab es einen Mann, der hat sich um das Stadion gekümmert, er hat auch Geld von Organisationen besorgt, um alles in Stand zu halten, es gab einen richtigen Club, Training und Spiele und Alle waren so stolz auf ihren Verein. Dann sei der Mann gestorben und irgendwie hat niemand seinen Platz eingenommen. Wie schade, nun ist der Platz zwar schön, aber die Kabinen verfallen schon ein bisschen und es gibt keinen richtigen Verein und keine Punktspiele mehr. Aber wir werden gleich hier spielen und das ist extrem super.

Direkt hinter dem Zaun des Fußballplatzes wohnt nun die Familie unseres linken Mittelfeldspielers. Alle stehen schon vor der Tür des kleinen Hauses und warten auf uns. Die Taxi-Gruppe ist auch schon da, musste aber den ganzen Weg von der Hauptstraße aus laufen bzw. humpeln. Der Taxifahrer hat sich geweigert in die Siedlung hineinzufahren und die Drei unten an der Einfahrt zum Viertel abgesetzt. So ist das eben hier, wird uns gesagt.

Das Haus ist voll mit Omas, Schwägerinnen, Tanten, Kindern und Jugendlichen, einige der Frauen sprechen etwas deutsch und waren auch mal ein paar Jahre in Deutschland. „ Wieso ist denn euer Freund aus dem Kosovo nicht mitgekommen“ fragt die Mutter. sie hat extra eine Folklore CD besorgt, damit er sich willkommen fühlt. Die Musik ist zwar nicht so unser aller Geschmack, aber es ist so unglaublich bezaubernd, wie schön sie alles vorbereitet hat. Na, der Freund aus dem Kosovo sitzt doch schon mit deiner Jüngsten auf dem Sofa und wird von ihr ausgefragt. „ Nein“ sagt die Mutter, „ der ist doch aus Hamburg, den kenne ich doch von den Teamfotos“ Ja ja, auch er ist aus Hamburg, aber auch er wurde abgeschoben. Mama ist geschockt und nimmt ihn erstmal tröstend in den Arm, dann lässt sie sich alle Einzelheiten der Abschiebung erzählen und holt schließlich ihren Pass, um uns den Stempel der Einreisesperre zu zeigen, 16 Monate. Für Alle! Eingestempelt selbst in die Kinderpässe. Das ist eine lange Zeit, obwohl man doch “freiwillig” den Bus bestiegen hat. Was soll nur aus den Kindern werden, hier.

Ach ja die Schule, was gibt es Neues in der Schulsuche? Sie haben dann doch noch eine gefunden, die bereit ist auch diese Roma Kinder zu unterrichten und so gehen die 8, 11 und 13 Jährigen Geschwister wenigstens zur Schule. Jeden Morgen gehen sie raus aus der Siedlung, laufen dann drei Kilometer durch die Stadt und nachmittags wieder zurück. Sie sind so glücklich, zur Schule zu dürfen. Die kleine Schwester flüstert mir zu: “Wenn man einmal in Hamburg gelebt hat, weißt du, dann kann man hier nicht mehr leben, ist so!“ Was sollen wir sagen?

Ach lasst uns ein bisschen Fußball spielen, FCSP Trikots und Stutzen haben wir mitgebracht, wir müssen nur noch den Ball aufpumpen, den alle FC Lampedusa St. Pauli Spieler beim letzten Training für ihren Team Mate unterschrieben haben. Ein jüngerer Bruder und der große, neue, beste Freund laufen los und kommen mit dem aufgepumpten Ball zurück. Der Kofferinhalt wird verteilt und alle kleinen und großen „Jungs“ verschwinden ins zweite Zimmer, neben der großen, schönen, rot gestrichenen Wohnküche, in der die Küchenhexe, tropische Temperaturen, per Holzfeuer herbei heizt. Was für ein lustiger Anblick, alle neuen und schon vorher aus Hamburg mitgebrachten FC St. Pauli Klamotten wurden aufgeteilt und so ist praktisch jeder im St. Pauli Dress. Raus jetzt aber auf den Fußball-Platz.

Es kommen noch ein paar Teens und Twens hinzu und Mama bekommt das Handy zum Video machen in die Hand gedrückt. Sie muss aber immer so lachen, dass das ganze Bild wackelt. Die drei wiedervereinigten FC Lampedusa St. Pauli Spieler stehen nun nach fast fünf Monaten wieder zusammen auf einem Fußballplatz, wobei der, mit dem Bänderriss im „gegnerischen“ Tor steht und mit den kleinen Brüdern, dem besten Freund und ein paar anderen ein Team bildet. Ich, eine der FC Lampedusa St. Pauli Trainerinnen, gehe mit der kleinen Schwester, natürlich auch im neuen FCSP Trikot, was ihr bis zum Knie reicht ins Tor und ihre kleine, vielleicht 6 Jährige Freundin möchte auch mit im Tor stehen. Kein Problem, aber könnte weh tun wenn der Ball kommt. Sie lässt ausrichten, es würde nicht geweint! Eine weitere Freundin, diese ein paar Jahre älter, vielleicht zwölf kommt in Holzclogs und bunten Leggings hinzu, auch sie will Torwartin sein, na klar. So stehen wir vier Ladies im FC Lampedusa Smederevo Tor, feuern unser Team von hinten an und halten nahezu alle Bälle, wir klatschen uns dann jedes Mal ab und haben einen Mordsspaß. Die Kleinste wird zwei Mal voll abgeschossen, einmal faustet sie den Ball, ohne Handschuhe, knallhart aus dem Tor und ruft auch schon auf Hamburgisch „ Kein Toar!“. Beim zweiten Mal fliegt sie gleich ganz mit dem Ball hinter die Linie, steht auf, schüttelt sich und macht sich für die nächste Parade bereit. Sie ist hart im Nehmen, hat den Ehrgeiz unbedingt gewinnen zu wollen, und natürlich wird nicht geweint! Wir vier sind ein gutes Team und halten lange unseren Kasten fast sauber. Am Ende verlassen uns die Kräfte und wir müssen dann doch ein Unentschieden einstecken. All unsere „Jungs“ geben nach vorne ihr Bestes und so klingelt es am Ende auf beiden Seiten recht häufig. 8 zu 8 geht es wohl aus und es wird auch schon dämmerig. Nun muss aber gegessen werden, ruft Mama, Schluss jetzt mit Fußball spielen. Natürlich gehorchen wir ihr alle.

Verschwitzt und glücklich gehen wir fast alle ins Haus und teilen uns geschwisterlich große Teller mit Fleisch, Krautsalat und Brot, Guten Appetit! Eine der beiden Omas findet uns irgendwie total witzig und muss ständig lachen, wir auch.

Was für ein schöner Tag. Was für eine tolle Atmosphäre. Wir sind alle so fröhlich und glücklich.
Nach dem Essen gehe ich mal nach draußen eine Zigarette rauchen und meine drei Mit-Keeperinnen kommen mit. Vor dem Haus entsteht eine Art Mädchen Plenum um die Fragestellung, ob Mädchen Fußball spielen sollten. Es kommen immer mehr Mädchen und auch Jungs hinzu, wobei die Jungs, so zwischen 5 und 13 nur zuhören und kichern. Die Mädchen hingegen, im gleichen Alter, diskutieren kontrovers und die drei Torhüterinnen, unter Vorsitz der FC Lampedusa St. Pauli Schwester behaupten, dass in Deutschland alle Mädchen Fußball spielen. Es wird beraten und überlegt und dann werde ich gefragt, ob ich nicht im Sommer wieder kommen könnte, um ein Mädchen Fußball Camp abzuhalten. Sie würden nun doch gerne alle Fußball spielen lernen wollen – also die Mädchen. Die Jungs kichern immer noch, werden aber eh immer weiter nach hinten geschoben. Oha, mal schauen, ob wir nicht wen finden, die Mal ein Fußball Camp für Mädchen in Smerderevo, in der Roma Siedlung anbieten. Das wäre auf jeden Fall eine tolle Sache und bei einem so schönen Fußballplatz, wie es ihn hier gibt, wäre es natürlich toll, wenn es irgendwann wieder einen richtigen Verein gebe, auch mit Mädchen Teams natürlich. Also wenn ihr wen kennt, der oder die wen kennt, sagt Bescheid.

Leider müssen wir schon wieder gehen unser Bus fährt bald. Wir verabreden erneut, das nicht geweint wird und so nehmen wir uns alle in den Arm und sagen nur Tschüss, Tschüss bis bald.
Unser Bruder vom FC Lampedusa St. Pauli bringt seine Mitspieler und eine seiner Trainerinnen mit bestem Freund, zwei Freundinnen und größerem, kleineren Bruder zu Fuß zum Busbahnhof. Die Kleineren drehen am Ende des Viertels, an der Haupstraße um, es ist schon dunkel und es ist nicht gut, wenn sie im Dunklen den Stadtteil verlassen, wird uns gesagt. Der Weg ist doch recht weit und die Leute, denen wir begegnen gucken uns komisch an. Am Busbahnhof fragen die Jugendlichen für uns, wo genau der Bus abfährt und erhalten keine Antwort. Die Stimmung um uns herum ist recht eisig, Alle glotzen uns an und so ist es für uns alle schöner, lieber jetzt auf Wiedersehen zu sagen.

Ach, großer, kleiner FC Lampedusa St. Pauli Spieler, alles Gute dir, deiner Familie und all den anderen. Was sollen wir euch wünschen? Menschenrechte, Bürgerrechte, Rückkehrrechte, Schule für Alle, mehr Jobs? Weniger Diskriminierung und ein dickes Fell, um die Exklusionen und Demütigungen besser zu ertragen?

Es war so schön bei und mit euch, es war so schön, euch alle wiederzusehen, mal wieder zusammen Fußball zu spielen, in eurem so toll zurechtgemachten Haus zu Gast sein zu dürfen. Eure Nachbar_innen und Verwandte, eure Freund_innen und all die anderen Kinder und Jugendlichen kennenzulernen. Eure unglaublich herzliche Gastfreundschaft zu genießen, verwöhnt zu werden und sich so willkommen und geliebt zu fühlen – wenn wir nur ein bisschen davon vermitteln können, was für tolle Menschen uns in Hamburg nun fehlen – es ist schwer in Worte zu fassen.

Wie sagte unser FCLSP Spieler, der ein mulmiges Gefühl hatte, nach Serbien zu fahren, im Bus, auf der Rückfahrt nach Belgrad, von wo aus er nun wieder in den Kosovo fahren muss, leicht irritiert und nachdenklich “ Wir waren in der Roma Siedlung bei „unserer Familie“. Wir waren in einer richtigen Oase der Liebe und Freundschaft. Irgendwie völlig abgekoppelt von der Außenwelt. Für ein paar Stunden gab es nur Zuneigung, Vertrauen und Geschwisterlichkeit – aber was soll dort nur aus ihnen werden?“

Ja was soll nun dort aus ihnen werden und was hätte alles in Hamburg aus ihnen werden können, wo angeblich alle Mädchen Fußball spielen und eigentlich jedes Kind zur Schule geht, die zumeist gleich um die Ecke ist.

Wir fahren grübelnd durch die Nacht und fragen uns mal wieder, wer sich das mit den Grenzen und den Nationen eigentlich ausgedacht hat und warum nicht alle Menschen leben dürfen wo sie wollen. 16 Monate Einreisesperre – was soll sowas und warum machen so viele einfach mit?

Und trotzdem, so schön war es in Smederevo bei unserem FC Lampedusa St. Paulianer, seinen Geschwistern, Freund_innen, Mama, und allen anderen. Wir checken jetzt mal das Mädchen Fußball Camp ab und dann kommen wir hoffentlich bald wieder zu euch – bis ihr wieder zu uns zurückkommen könnt. Zurück nach Hamburg, nach Hause.

Euer FC Lampedusa St. Pauli

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