Refugees Welcome Aktionstag – 18.10.2014 Babelsberg 03

Am Samstag den 18.10. fuhr der FC Lampedusa Hamburg auf Einladung von Babelsberg 03 zu seiner ersten großen Auswärtsfahrt nach Potsdam.

Aufgrund der immer größeren Aufmerksamkeit, die das Thema Asyl- und Flüchtlingspolitik in der BRD, aber auch in ganz Europa einnimmt, und der Erkenntnis von immer mehr Menschen, dass es so nicht weitergehen kann, hat der SV Babelsberg (SVB) zu einem großen Aktionstag unter dem Motto „Refugees Welcome“ geladen.

Seit Juli 2014 hat der SVB, als erster Profi-Fussballverein, ein Team von Geflüchteten in seinen Club integriert. Das Team, jetzt die 3. Herren vom SVB, mit dem schönen Namen Welcome United Null Drei (WUND), sollte am Samstag ein Freundschaftsspiel gegen den FC Lampedusa Hamburg austragen.

Aufgrund einer großzügigen Spende eines befreundeten Kollektives konnten wir einen richtigen Reisebus mieten und so trafen wir uns mit den Spielern, der Coaching Crew und den Supportern des FC Lampedusa Hamburg bei vernebeltem Sonnenaufgang vor dem Millerntor-Stadion des FC St. Pauli. Auch an Bord waren Spieler, Trainer und Teammanager des FC Hamburger Berg, dem Verein, der uns so geschwisterlich aufgenommen hat. Ihm verdanken wir unsere Trainigsmöglichkeiten auf dem Trainingsplatz sowie den Punktspielbetrieb in der Hamburger Freizeitliga.

Gut gelaunt, aber etwas besorgt ob des europaweiten „Massen Racial Profilings- Mos Monstrum“, in dem die EU mit Hilfe der Grenzschutzagentur Frontex und der Bundespolizei versucht, illegalisierte Flüchtlinge und Migrant_innen zu fangen und ihre Fluchtwege auszuforschen, machten wir uns auf den Weg nach Brandenburg – zum Glück völlig unbehelligt.

Am Karl-Liebknecht-Stadion angekommen, wurden wir warm und herzlich willkommen geheißen und fieberten erstmal mit dem SV Babelsberg 03 mit, der in seinen neuen „Refugees Welcome“-Hosen gegen Union Berlins U23 erfolgreich das kleine, feine Stadion rockte.

Zur Halbzeit überreichte Ralf von Lonsdale, dem neuen Sponsor von Babelsberg, sowohl United Welcome Null Drei als auch dem FC Lampedusa Hamburg einen Satz nagelneue, traumhaft schöne Lonsdale Trainingsanzüge, begleitet von kleinen Ansprachen, wie wichtig es ist Geflüchtete in bestehende, nicht nur Fußballstrukturen, zu integrieren.

Das Regionalligaspiel konnte der SV Babelsberg mit 3:2 für sich entscheiden und weiter ging es auf dem Kunstrasenplatz direkt hinter der Nordtribüne am Waldrand.

Welcome United Null Drei gegen den FC Lampedusa Hamburg vor mindestens 600 Zuschauer_innen, unter den Augen von Karl Liebknecht, den sie hier liebevoll KaLi nennen. Beide Teams waren heiß und hochmotiviert. Klar, ein Freundschaftsspiel, logo, es geht darum Aufmerksamkeit zu schaffen für den Umgang mit Flüchtlingen, nicht nur hier in Potsdam. Aber nur dabei sein, ist eben doch nicht Alles – gewinnen wollen Fussballer_innen natürlich trotzdem.
So hatte der Schiedsrichter alle Hände voll zu tun, auch wenn er das Spiel sehr gut im Griff hatte. Zwei gelbe Karten hier und da und zwei ! Elfmeter gegen den FC Lampedusa – das war hart.

Körperbetont, aber nicht unfair dominierte der FC Lampedusa Hamburg die erste Halbzeit, aber Welcome United Null Drei hielt tapfer und engagiert dagegen. Ein erstes Tor wird dem FC Lampedusa nicht gegeben – es war Abseits, aber nun ja Tor für den FC. Doch schon kommt der Pfiff zum ersten Penalty, die Menge tobt und der FC Lampedusa hat neuerdings eine eigene kleine, aber feine Ultra Fraktion, „Ultra FCL“ mit Nebelkerzen und Rauchtöpfen – wow.

Auch eine eigene Radio-Live-Übertragung des FC Lampedusa Hamburg ist am Start. Wie gut, dass die zwei Kommentatorinnen zusammen locker vierzig Jahre geballten Fussball-Sachverstand auf die Bierbank bringen, die als Pressekabiene auf dem kleinen Hang neben dem Spielfeld dient. Schnell wurde noch vom jugendlichen Co-Trainer des WUND die Aufstellung besorgt und los ging es. Und selbst der „Stadionsprecher“ mischte fröhlich mit und fragte stets die Damen, wie es denn wohl stehen könnte.


Am Ende stand es dann wohl 4:3 für die Gastgeber, was der Stadionsprecher aber in ein freundschaftliches 4:4 umdeutete. Die Spieler lagen sich eh alle in den Armen, erschöpft und glücklich ging es in die Kabinen.

Zeit mal die Straße der Solidarität zu erkunden, in der sich alle möglichen Initiativen und Gruppen zu Flucht, Migration, Homophobie und Menschenrechten aufgebaut hatten. Auch wir hatten wieder unseren Info- und Merchandise-Stand dabei. Es gab viele gute und interessante Gespräche und FCL-Sticker, Refugees-Welcome-Büddel und FC Lampedusa Hamburg SUPPORTER-T-Shirts wechselten die Besitzen_innen.

Mit musikalischer Begleitung der ersten Band Pyro One machten sich die Fanteams von Babelsberg 03 und vom FC St. Pauli für ihr Spiel warm. Auch der Fanladen des FC St. Pauli war mit einem eigenen Bus nach Portsdam gekommen.

Gemischtgeschlechtlich, denn ihr wißt ja „football has no gender“, traten die St. Paulianer_innen unter größtmöglichem Einsatz von Pyrotechnik an. Das Ergebnis ging unter großem Jubel und Nebelkerzen völlig unter, bei mir zumindest, ist aber schlussendlich auch völlig nebelsächlich!

Radio Havanna spielte erdigen Punk, und schon riefen die Heidelberger Irie Revoltes zum Tanzen und zum Mitsingen zur großen Bühne am Waldrand. Ihre Hits wie „Antifaschist“ und Textzeilen wie „für eine weltweite Bewegung“ passten zum Aktionstag, wie die viel beschworene „Faust aufs Auge“. Alle tanzten, sangen und lagen sich in den Armen – zu schön.

Doch der Heimweg rief. Schnell noch bei Thoralf, Manja, Hassan und allen anderen Initiator_innen aus Babelsberg bedankt und ab auf die Autobahn. Bisschen Disko, bisschen Bier, bisschen Schlaf und schon standen wir wieder vor dem Millerntor-Stadion, dank unserer beiden tollen Busfahrer.

Was für ein super Tag bei Babelsberg 03! Und bevor ich es vergesse, am 18.10 2014 galt im Karl-Liebknecht-Stadion für alle Spiele, alle Bands und alle Freuden:

„FREE ENTRY FOR ALL REFUGEES“

Also da suchen wir dringend Nachahmer_innen und rufen laut nach Osten: „DANKE SV BABELSBERG 03“!

Euer FC Lampedusa Hamburg

Bilder: Daniel Müller

“Refugees Welcome Hosen” Foto René Strammber

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