Der Wunsch zu bleiben – La voglia di restare

Deutsche Übersetzung des wundervollen Artikels von Valentina Pellegrino

Unser Motto lautet: Wir sind hier um zu spielen, wir sind hier, um zu bleiben. Wenn du den FC Lampedusa unterstützt, unterstützt du ihr Recht in Hamburg zu bleiben und hilfst ihnen dabei. Und sagst den Flüchtlingen ein herzliches Willkommen in “unserer“ wunder-schönen Fußballwelt. Alle haben das Recht, Fußball zu spielen, dort, wo sie bleiben möchten.
FC Lampedusa, Hamburg

Lampedusa und Hamburg, – so weit von einander entfernt, so unterschiedlich. Lampedusa, hier machten Griechen, Römer und Araber halt und haben sichtbare Spuren hinterlassen. Hamburg, ihre Geschichte, das vom Kommen und Gehen der Schiffe und von tausend verschiedene Sprachen sprechenden Kaufleuten geprägt wurde.
Es ist eine Geschichte, die im Winter 2012 begann. Hamburg und Lampedusa. Eine Geschichte, die mehr als drei tausend Kilometer weiter im Süden, mitten im Kanal von Sizilien begann. Jede Nacht legen tausende verstreute Seelen an den italienischen Küsten an, wenn sie nicht untergehen. Sie sind dankbar, dass sie noch am Leben sind. Die Auffanglager auf der Insel jedoch drohen zu kollabieren. Europa blockiert die Gelder. Das ist die Globalisierung der Gleichgültigkeit.
Unter den vielen Booten, die in diesem Winter ankommen, sind auch einige voller Migranten, die jahrelang in Libyen gearbeitet haben, unter dem Gaddafi-Regime. Sie kommen aus Westafrika und dem Sudan. Der Bürgerkrieg hat sie zu Flüchtlingen gemacht, die versuchen, an anderen Orten zu überleben. Da die Auffanglager in solch großen Schwierigkeiten sind, leistet die italienische Regierung wirtschaftliche Hilfe und gibt zeitlich befristete Aufenthaltserlaubnisse aus, wobei sie die Flüchtlinge nach und nach in den Norden Europas schickt. Schweden ist das Traumziel, aber Träume reichen oft nicht aus. Manche von ihnen müssen in Deutschland halt machen. Dreihundert von ihnen kommen nach Hamburg. Sie werden gut empfangen, – auch dank des Winter-Notprogramms der Stadt. Aber es handelt sich um eine vorübergehende Lösung, denn nach Ablauf des Programms, im April 2013, will die Stadtverwaltung die „Lampedusa-Flüchtlinge“ nach Italien zurückschicken. Ohne Arbeit leben sie auf der Straße und die einzig mögliche Lösung scheint in der Tat die zu sein, nach Sizilien zurückzukehren. Sie geben aber nicht auf, – und im St.Pauli finden sie Aufnahme in der Kirche von Pastor Sieghard Wilm. Viele Bewohner des Viertels bringen Essen und Kleider zum Pastor . Darunter auch viele Anhänger der 2.Liga.Fußball-mannschaft, des FC St. Pauli. Wer etwas von Fußball weiß, der weiß auch, dass der FC St. Pauli nicht einfach ein Fußballverein ist. Es gibt ein besonderes Zugehörigkeits- und Wir-Gefühl, Solidarität, Soziale Initiativen wie sonst kaum welche in Europa. Wie z.B. das Sammeln von Geld , damit Wasserspender gekauft werden können, die nach Kuba geschickt werden, 2005. Oft sieht man die Friedensfahne im Stadium, wo, hingegen, rechtsextreme Fußballfans keinen Eintritt haben. Es bleibt nicht aus, dass sich ihre Erfahrungen bald mit denen der Migranten kreuzen.
Die Fans schließen in ihre Initiative auch die Gesellschaft mit ein, welche sofort reagiert. Der FC St. Pauli ist ein Zusammenschluss vieler Sportarten und hier arbeiten viele Menschen, die bereit sind, ganz konkret zu helfen.
So passiert es, wieder einmal, dass der Ball dort ankommt, wo die Vernunft nicht weiterkommt. Der FC Lampedusa wird geboren, zu Ehren der Insel, die sie zuerst aufgenommen und ihnen geholfen hat. Die Mannschaft wird gebildet aus 30 dieser Jungs die aus Libyen geflohen waren und auf einem Boot an der sizilianischen Küste in diesem kalten Winter 2012 gelandet waren. Trainiert von 5 Mädchen des FC St. Pauli, hier treffen sich Menschen, die den Fußball lieben, um zu trainieren und zu spielen. Wenn du den FC Lampedusa unterstützt, unterstützt du ihr Recht in Hamburg zu bleiben und hilfst ihnen dabei. Und sagst den Flüchtlingen ein herzliches Willkommen in „unserer“ wunderschönen Fußballwelt. Alle haben das Recht, Fußball zu spielen, dort, wo sie bleiben möchten.
Heute spielt der Club in einer offiziellen lokalen Liga. Diesen Aufstieg haben sie sich auf dem Fußballfeld errungen, unter Anderem, nachdem der FC Lampedusa bei einem Turnier der Fan-Clubs von St. Pauli Dritter geworden war.
Eine Botschaft mit gesellschaftlicher Durchschlagskraft – in einem Umfeld, in dem der Wunsch zu bleiben und der Wunsch, der Gleichgültigkeit nicht nachzugeben, Hand in Hand gehen.

Unser Aller Dank geht an Mama für die stetigen Italienisch-Deutsch Übersetzungen. Grazie mile!

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